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Dienstag, 18. Januar 2011

Der Besuch der alten Dame - Theaterfotografie

Ich wurde gebeten auf der Premiere des neuen Stückes des Theater-Referats der Uni Lüneburg zu fotografieren. Natürlich habe ich diese Herausforderung gerne angenommen.


Wem das Stück nicht mehr präsent ist: Es geht um die Milliardärin Klara Zachanassian (Die „alte Dame“). Diese besucht die verarmte Kleinstadt Güllen, in welcher sie aufgewachsen ist und macht den Einwohnern ein unmoralisches Angebot: Eine Milliarde für den Tod ihrer Jugendliebe Ill. Als sie in ihrer Jugend von ihm ein Kind erwartete, bestritt dieser die Vaterschaft und gewann mit Hilfe bestochener Zeugen den von Klara gegen ihn angestrengten Prozess. Sie hat die Stadt damals als Entehrte verlassen. Die Forderung lehnen die Bewohner zunächst entrüstet ab, doch seltsamerweise beginnen sie Geld auszugeben, die Kaufleute gewähren Kredite, so als ob alle mit einem größeren Vermögenszuwachs rechnen könnten. Am Ende stirbt Ill im Tumult der Dorfgemeinschaft, der Mord ist ein kollektiver Akt. Der Scheck über eine Milliarde wird ausgehändigt.


Für mich lag die Herausforderung darin trotz der Lichtverhältnisse die Bewegung und die dargestellten Emotionen einzufangen. Ich habe hauptsächlich meine lichtstarken Festbrennweiten verwendet und mein Kamera auf Blendenautomatik mit 1/100s gestellt. Den ISO Wert und die Blende habe ich vom Belichtungsmesser der Kamera berechnen lassen und damit sichergestellt, dass nur minimale Bewegungsunschärfe entstehen.
Die schauspielerische Leistung der Studenten war beeindruckend und hat mich und das gesamte Publikum in seinen Bann gezogen.
Eine kleine Auswahl der Bilder sind unten zu sehen, den Rest gibt es HIER.

















Sonntag, 14. Februar 2010

Digitale Analog

Die digitale Fotografie fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Auf der einen Seite überbieten sich Kamerahersteller seit Jahren mit immer mehr Megapixeln, besserem ISO-Rauschverhalten oder dem schärfsten Autofokussystem. Auf der anderen Seite findet man derzeit immer mehr Fotografen, welche den Zeiten der analogen Fotografie hinterher zu trauern scheinen. Auch ich bin von dem unverwechselbaren Stil analoger Bilder angetan, scheue jedoch den Aufwand für die analoge Technik und die Kosten für die Filme und deren Entwicklung. Daher stellt für mich die Nachbearbeitung digitaler Bilder mit Effekten der analogen Fotografie eine praktische Alternative dar. Auch die Herausgeber der c't special widmen eine Ausgabe unter anderem dieser Art der Nachbearbeitung. Ich habe darin viele Beispiele für mögliche Effekte gefunden. Diese können in GIMP nachgebastelt und angepasst werden.
Spannend an dieser Art der Nachbearbeitung finde ich den bewussten Einsatz von eigentlichen Defiziten der eigenen Digitalkamera. Beispiele dafür sind das Fotografieren mit höchster ISO-Stufe um ein digitales Rauschen zu erzeugen oder mit falschem Weißabgleich, um eine Farbverfremdung herbeizuführen. Das digitale Rauschen bei hohen ISO-Werten kann im Anschluss in ein grobes Korn umgewandelt werden. Besonders bei schwarz-weiß Bildern gelingt dies besonders einfach, da das farbige digitale Rauschen nicht mehr als solches zu identifizieren ist. Über das Hinzufügen einer Ebene mit Rauschen in GIMP kann der Effekt noch nach Belieben verstärkt werden. Ein falscher Weißabgleich liefert einen Farbstich im Stil bestimmter analoger 35mm Filme. Der Effekt eines Gelb- oder Blaustichs kombiniert mit hoher Sättigung erzielt dabei meiner Meinung nach die meiste Wirkung.
Während ich bisher meist versucht habe durch die digitale Nachbearbeitung Defizite (Rauschen, Unschärfe, Farbstiche) des Fotos auszugleichen, eröffnet sich durch die beschriebene Methode für mich eine andere Sichtweise und eine zusätzliche Dimension der Nachbearbeitung. Dabei liefert mir ein Blick auf alte Farbbilder, besonders aus den 70ern, einen riesigen Fundus an Effekten zur Nachahmung.


Stock im Eis: Verfremdung durch Blaustich und starke Vignettierung




Die Braut: High-Key durch Überbelichtung ergänzt mit einen Blaustich



Spiegelaugen: Grobes Korn durch Fotografieren mit hohem ISO-Wert und
nachträglichem Anheben der Sättigung


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